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Domain-Portal: vom Reseller-Account zum automatischen Domain-Geschäft, gebaut mit einem AI-Agenten-Team

Wie ich mit parallelen Claude-Code-Sessions, einem Koordinator und einem Review-Board aus Agentenrollen ein Domain-Portal von der Bestellung bis zur Rechnung gebaut und in Betrieb genommen habe – und welche Regeln das Agenten-Team sicher gemacht haben.

Seit dem 24. Oktober 2026 läuft unter chnet.domains ein Domain-Geschäft, das ich nicht von Hand betreibe: Kundinnen und Kunden suchen eine Domain, bestellen, bezahlen, bekommen ihre Rechnung und verwalten ihre Domains im Portal. Am 26. Oktober lief die erste Registrierung vollautomatisch durch, ohne dass ich einen Knopf gedrückt habe. Gebaut und betrieben habe ich das nicht mit einem Entwicklerteam, sondern mit einem Team aus AI-Agenten. Dieser Beitrag handelt von dieser Arbeitsweise; die Abrechnungsarchitektur bekommt einen eigenen Beitrag.

Ausgangslage

Ich verwalte über einen Reseller-Account bei einem Hoster Domains für Kunden, darunter ein Bestandskunde mit rund 70 Domains. Der Ablauf lief über drei getrennte Systeme: ein Bestellsystem für die Registrierung, die technische Verwaltung der Domains und die Buchhaltung. Jeder Kundenwunsch bedeutete nach meiner eigenen Schätzung rund eine Stunde Klickarbeit, die Rechnungen entstanden als Serienrechnung von Hand, und Kunden hatten keinen Einblick in ihren Bestand.

Das Ziel war deshalb nicht „ein hübsches Portal“, sondern: Bestellung bis Registrierung ohne Admin, der Mensch nur noch für Ausnahmen. Für eine Ein-Personen-Beratung ist das ein Projekt, das ich klassisch nie nebenbei angefangen hätte. Mit einem Agenten-Team war es realistisch, sofern das Team Regeln hat, die es sicher machen.

Lösung

Das Produkt. Eine Landingpage mit Domainsuche und KI-gestützten Namensvorschlägen, ein Kundenportal mit Login und ein serverloses Backend, komplett in AWS CDK beschrieben: Lambda-Funktionen, DynamoDB, Cognito für die Anmeldung und Step Functions für die langen Abläufe. Ein Bestellprozess kann Tage dauern, weil er auf eine Zahlung, eine Prüfung oder eine Rückmeldung der Registry wartet; dafür nutze ich Wartezustände mit Task-Token, die einen Workflow anhalten, bis ein externes Ereignis ihn fortsetzt. Bezahlt wird per Karte über Stripe oder über PayPal, die Rechnungen entstehen in Lexware Office. Die Namensvorschläge kommen aus einem kleinen Modell auf Amazon Bedrock, abgesichert durch eine Guardrail, eine harte Budgetgrenze und eine Golden-Eval als Release-Gate: Eine neue Prompt- oder Modellversion geht nur live, wenn sie einen festen Satz an Referenzfällen besteht.

Jeder schreibende Aufruf beim Registrar kostet Geld, auch ein fehlgeschlagener. Wie das Portal gegen doppelt berechnete Aufrufe geschützt ist, beschreibe ich in einem separaten Beitrag.

Das Team. Gearbeitet haben mehrere parallele Claude-Code-Sessions, die ich „Lanes“ nenne. Jede Lane hat ein festes Thema, etwa Zahlungen, Domain-Einstellungen oder Landingpage, und arbeitet in einem eigenen Git-Worktree. Dadurch kommen sich die Lanes im Dateisystem nicht in die Quere, und jede liefert ihre Arbeit als eigenen Pull Request.

Über den Lanes sitzt eine Koordinator-Session. Sie serialisiert Merges und Deploy-Auslösungen und gibt jeder Lane ein ausdrückliches GO, bevor diese etwas auf den Hauptzweig bringt. Eine weitere Session ist die Schnittstelle zum Menschen, also zu mir. Mit den Lanes rede ich kaum direkt; Fragen, Entscheidungsvorlagen und Freigaben laufen über diese eine Stelle.

Pläne und größere Änderungen prüft ein Review-Board aus Agentenrollen: Architekt, Security, Senior Developer, FinOps und ein Skeptiker. Das ist kein Ritual. Schon die erste Konzeptprüfung hat den Bauplan umgedreht: Der Skeptiker hielt fest, dass der eigentliche Schmerz die vergessene Abrechnung ist, nicht der fehlende Self-Service. Also kam zuerst eine Admin-Version mit automatischer Abrechnung, danach der Kunden-Login und erst danach die Bestellung.

Leitplanken

Agenten schreiben schnell Code. Die eigentliche Arbeit lag darin, Regeln zu finden, unter denen ich diesem Tempo trauen kann. Diese haben sich bewährt:

Ergebnis

Die ersten Commits für das Portal stammen vom 16. Oktober 2026, am 24. Oktober ging es live, am 26. Oktober lief die erste vollautomatische Registrierung. In dieser Zeit sind auf dem Hauptzweig rund 300 Pull Requests für Portal und Landingpage gemergt worden. Kunden verwalten heute ihre Domains, DNS-Einträge und Weiterleitungen selbst und laden ihre Rechnungen im Portal herunter.

Offen ist noch einiges: Lastschrift gibt es noch nicht, und Nameserver können Kunden noch nicht selbst ändern. Automatisch registriert wird vorerst nur eine Endung; weitere folgen nach eigenen Testregistrierungen.

Was nicht reibungslos lief

Transfer

Das Muster ist nicht an Domains gebunden. Es passt überall dort, wo ein kleines Team, im Extremfall eine Person, ein Produkt mit echten Geldflüssen bauen und betreiben will:

Nicht 1:1 übertragbar ist das Vertrauensniveau. In einem Unternehmen mit bestehender Freigabe- und Betriebsorganisation müssen Schalter, Dry Runs und Freigaben in die vorhandenen Prozesse eingehängt werden, statt sie zu ersetzen. Das Prinzip bleibt dasselbe: Agenten bekommen Tempo, Menschen behalten die Entscheidungen mit Konsequenzen.

Stack: Claude Code · AWS CDK · AWS Lambda · AWS Step Functions · DynamoDB · Amazon Cognito · Amazon Bedrock · Stripe · PayPal · Lexware Office · Astro · SonarQube

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